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Yvonne Hofstetter: Mensch, Maschine!

Eine Verteidigung des europäischen Menschenbildes

Yvonne Hofstetter: Mensch, Maschine!
Hochgeladen von: Universität zu Köln - ceres
Quelle: Yvonne Hofstetter © Heimo Aga
Öffentlicher Festvortrag

"Der Mensch ist die ultimative Maschine."
"Der Mensch ist nur ein biologistischer Algorithmus."
"Der Mensch ist ein Irrtum der Natur."

Solche Parolen, die neben dem Optimierungsbedarf des Menschen auch die Unschärfe von Mensch und Maschine propagieren, begleiten jene digitalen Geräte und Lieblingsmarken aus dem Silicon Valley, an die viele von uns ihr Dasein, ihre Identität, ihr tägliches Leben fest gebunden haben. Das Paradox daran: Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist ein technisch erweiterter Mensch: Smartphone, AR-Brille oder Tablet-PC sind wie neue Extremitäten, die dem Menschen erweiterte Fähigkeiten verleihen. Gleichzeitig wird er auf nichts als seine Daten reduziert.

Doch die enge Verbindung von Menschen mit digitalen Angeboten erfolgt nicht ohne Hintergedanken der digitalen Industrie. Der "Mensch als Datenhaufen" ist ein neues Menschenbild, jene Ideologie oder Anspruch, der tief eingewoben ist in die digitalen Angebote des Valley und für das wir uns mit dem Kauf seiner Hardware und Software ein erstes Mal unbewusst entscheiden. Denn digitale Angebote sind keinesfalls wertfrei oder neutral. Wer digitale Angebote und Geräte aus dem Silicon Valley nutzt, kauft sich die "Werte" einer kontinuierlichen Überwachung und eines ständigen Profiling der eigenen Person ein und legitimiert sie soziologisch, wenn er kritik- und gedankenlos mitmacht. Wird aber der Mensch zum steuerbaren Algorithmus, mindestens zum Datenhaufen erklärt und von digitalen Angeboten auch dauerhaft so behandelt, verändert dieses neue Verständnis vom Menschen schließlich auch den Menschen selbst, seine Selbstwahrnehmung, sein Wertesystem und sein Zusammenleben in Gesellschaft und Staat.

Das kann und wird nicht ohne Folgen bleiben für die künftige Gestaltung unserer Gesellschaft durch das Rechtssystem. "Nichts ist so entscheidend für den Stil eines Rechtszeitalters wie die Auffassung vom Menschen, an der es sich orientiert", äußerte sich der große Rechtsphilosoph Gustav Radbruch schon 1927. Eine Gesellschaft, die soziologisch normiert, dass der Mensch auf das naturwissenschaftliche Messbare - eben auf Big Data -, auf das empirisch Beobachtbare reduziert wird, muss und wird dieses Menschenbild früher oder später auch im hoheitlich gesetzten Recht manifestieren. Denn Recht ist nichts anderes als "geronnene Politik".

Während der Würdeanspruch des Menschen nach abendländischem Rechtsverständnis darin besteht, nicht zum "Objekt eines anderen" zu werden, würde eine solche Manifestation gegen alle Erfahrung mit der NS-Zeit das Ende des souveränen, mit einem unantastbaren Würdeanspruch ausgestatteten Menschen bedeuten, der, mit Vernunft begabt, moralisch handeln und zwischen Gut und Böse entscheiden kann.

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Die Veranstaltung "Yvonne Hofstetter: Mensch, Maschine!" wurde am Mittwoch, 22. August 2018 von Universität zu Köln - ceres im openeventnetwork eingetragen.
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